Fortbildungen

Biodynamische Osteopathie: Tradition trifft Zukunft

In der Körperarbeit einen Raum für Bewusstseinsprozesse eröffnen
Die Biodynamische Osteopathie ist nach meinem Verständnis eine integrative Form der Körpertherapie. Sie beschäftigt sich mit den Bewusstseinsfeldern des Körpers, der Seele und des Geistes – und damit mit dem ganzheitlichen Ausdruck des Mensch-Seins.

„Mind, Matter, Motion come together.“
— Dr. Andrew Taylor Still

Wir könnten auch sagen: Körper, Seele und Geist sind eine Einheit. Als Einheit beziehen sie sich immer wieder aufeinander – mit ihren unterschiedlichen Referenzräumen.

Der Geist bezieht sich auf seine geistigen Ursprungsfelder und Referenzräume. Die Seele bezieht sich auf ihre Lebensaufgabe und ihre feinstofflichen Referenzfelder. Der Körper bezieht sich auf seine funktionelle Einheit von Regulation und Steuerung in seinen unterschiedlichen Geweben.

Was ist die Philosophie dieser Herangehensweise?

Als integrative Körpertherapie ist die Biodynamische Osteopathie eine Regulationstherapie, die unterschiedliche Steuerungsebenen des Körpers erreichen kann.

Vom Nervensystem bis zur zellulären Steuerung können der Informationsfluss, energetische Strömungen und Flüssigkeitsfelder angesprochen werden. Dadurch können Strukturen und Funktionen im Körper neu geordnet und neu ausgerichtet werden. Symptome, körperliche Regionen und Funktionskreisläufe, die von dieser Einheit funktionell getrennt erscheinen, können bestmöglich wieder integriert werden.

Die Biodynamische Osteopathie beginnt, sich der Ganzheit über unterschiedliche Ebenen der körperlichen Genese anzunähern. Immer, wenn wir den Körper berühren, berühren wir auch einen Teil seiner Genese, seiner Geschichte. Aus dieser Perspektive führt die Tradition in eine mögliche Zukunft der Körpertherapie.

Die Ebenen der körperlichen Genese

1. Embryogenese

Die Embryogenese beschreibt die Phase der Gestaltung des menschlichen Körpers. Nach Jaap van der Wal, Embryologe, sind dies Gestaltungsprozesse, die Informationen aus den Genen sowie aus dem Informationsstrom von Kosmos und Erde in die manifestierte Form und in die Entwicklung bringen.

Diese Gestaltungsprozesse werden während der Schwangerschaft angelegt und zur Entfaltung gebracht. Diese Entfaltungs- und Entwicklungsprozesse weiten sich postnatal aus. Sie dehnen sich gleichzeitig mit dem körperlichen Wachstum in die Räume der Psyche, des gefühlten und wahrgenommenen Lebens aus. Hier werden in der Soziogenese und der Epigenese neue Erfahrungen gesammelt.

2. Soziogenese

In der Soziogenese befinden sich die Spuren notwendiger Konditionierungen durch Bezugspersonen für Wachstum und Entwicklung – und auch die Spuren von Traumata.

3. Epigenese

Epigenetische Erfahrungen entstehen in der Begegnung mit dem Außen. Sie sind innere Antworten auf körperlicher, psycho-emotionaler und geistiger Ebene. Sie bedeuten immer Wachstum und Heranreifen, da der Körper und das Bewusstsein stets einen Zustand einer möglichen Homöostase anstreben, um zu leben und zu überleben.

Dies kann Anpassung, Lernprozesse und Transformation auf allen drei Ebenen bedeuten: Körper, Seele und Geist.

Regulation und Neu-Integration

In dieser Regulationstherapie folgen Prozesse des Ordnens und der Gesundung dem Prinzip der Neu-Integration in Verbindung mit den Referenzräumen der Ganzheit. Gemeint ist die Ganzheit von Körper, Seele und Geist – und deren Verbindung zur Erde und zum Kosmos.

Wie können wir diese Ganzheit ansprechen, um einzelne Teile des Körpers, die in eine Dysfunktion oder Dysregulation gegangen sind und ein Symptom kreiert haben, an ihre ursprüngliche Funktion zu erinnern?

Der biodynamische Ansatz bietet ein therapeutisches Werkzeug zur Kommunikation mit der Körpermechanik, den Körpermechanismen und dem Körpergedächtnis.

Wir verwenden in diesem therapeutischen Ansatz biodynamische Prinzipien und Werkzeuge als Eintrittspforten in unterschiedliche Steuerungsebenen des Körpers.

Der praktische Ansatz

Im praktischen Ansatz stellen wir eine Verbindung der Körperphysiologie mit den formativen Kräften der körperlichen Gestaltung und den embryologischen Prinzipien her.

Über diese Verbindung eröffnen wir eine Eintrittspforte in die Ganzheit. Wir erinnern an Zugänge zum ursprünglichen Blueprint der Absicht der körperlichen Gestaltung – zu einem Feld, das als Referenzraum für Gesundung zur Verfügung steht.

„Getting a sense of that Fluid-Body as one Movement – The Whole … and through the Whole you get a picture of the parts, as a precise diagnosis.“
— Dr. James Jealous

In diesem komplexen Referenzraum des Blueprints, der Ganzheit, wird das Wahrnehmen des Ausdrucks der Körperphysiologie im Moment zur wichtigsten Eintrittspforte.

Wir nehmen das Symptom als Sprachrohr und gleichzeitig als Eintrittspforte.

Ankommen im Moment

Das Ankommen im Moment und das Wahrnehmen im Moment schenken beiden Seiten – den Therapeut*innen und den Klient*innen – Sicherheit, Ruhe und Vertrauen in einen möglichen therapeutischen Prozess.

„You don’t only have to develop skills, you have to be conscious and free.“
— Dr. James Jealous

Aus diesem Grund lege ich in meinen Fortbildungen einen starken Fokus auf Selbstwahrnehmung und auf ein Sich-Einlassen auf den Zustand der Ruhe und der inneren Stille, um einen bewussten Zugang zu therapeutischen Prozessen zu erfahren.

Absicht der Herangehensweise

Die Absicht dieser Herangehensweise liegt darin, ein „verlorenes Gleichgewicht“ in ein erneutes funktionelles Gleichgewicht zu führen.

Störungen von ursprünglicher Ordnung, ursprünglichem Informationsfluss und ursprünglicher Regulationsfähigkeit sollen ausgeglichen und neu ausgerichtet werden.

„When does a system get irritated? It gets irritated when a lesion irritates the patterns of Health.“
— Dr. James Jealous

Grundprinzipien und Ebenen der Regulation

1. Rhythmische Regulation

  • Balance im autonomen Nervensystem
  • Balance im Informationsstrom zwischen der Peripherie des Körpers und der zentralen Steuerung
  • Verbindung cranialer Regulationskreisläufe mit den peripheren Funktionen
  • Verbindung von autonomem Nervensystem, Hypothalamus und limbischem System

Mit Wirkkräften auf:

  • Atemfrequenz
  • Herzfrequenz
  • Nervensystem
  • Hormonsystem
  • Verdauungssystem
  • Schlafrhythmus
  • akute und chronische Schmerzen
  • akute und chronische Traumata
  • Resilienz

Es ist ein Hinführen in einen Zustand der inneren Ruhe und des inneren Gewahrwerdens – besonders dann, wenn die Regulationssysteme nicht ständig im „Feuermodus“ sind.

2. Biochemische Regulation

Die biochemische Regulation betrifft Stoffwechseldysregulationen:

  • in Organen
  • in der Achse von Mikrobiom, autonomem Nervensystem und zentralem Nervensystem
  • in Entzündungsprozessen als Antwort des Körpers auf exogene und endogene Auslöser

Mit Wirkkräften auf:

  • Mikrobiom und Schleimhäute des Verdauungstraktes
  • Entspannung im Nervensystem
  • Verbesserung der Stoffwechselvorgänge
  • Hormonregulation

3. Psycho-emotionale und geistige Ebene

Auf psycho-emotionaler und geistiger Ebene geht es darum, dem inneren Dialog im therapeutischen Setting einen neutralen Raum zur Verfügung zu stellen.

Dem Körpergedächtnis wird ein Raum geschenkt, sich auszudrücken, sich zu erkennen und sich zu ordnen.

Mit Wirkkräften auf:

  • Regulation von Hormonachsen und Ausschüttung von Neurotransmittern
  • Psycho-Neuro-Immunologie: Stressachsen und limbisches System
  • psycho-emotionales Empfinden und Befinden
  • Kohärenz der Wahrnehmung des Selbst, eingebettet zwischen Innenleben und Außen
  • Kohärenz zwischen der Stimme des Verstandes und der Stimme des Herzens
  • Kohärenz im Zeit-Raum-Geschehen des Lebens zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
  • Unterstützung auf dem Weg der Selbsterkenntnis
  • Unterstützung auf dem Weg der Selbstverantwortung
  • Unterstützung auf dem Weg der Selbstermächtigung

Eintrittspforten in Bewusstseinsfelder

Die Summe dieser Ebenen ergibt Eintrittspforten über die Bewusstseinsfelder des Körpers in die Bewusstseinsfelder des Geistigen – und damit in deren Wirkhebel für Gesundung.

„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
— Aristoteles

Die Einheit und Ordnung des Ganzen beeinflussen die Einzelteile. Das Ganze ist nicht einfach die Summe seiner Bestandteile, sondern stellt eine komplexere Einheit dar.